Hamburg ist als „Stadt am Wasser“ bekannt. Elbe, Alster und zahlreiche Kanäle prägen das attraktive Stadtbild der Hansestadt, sie haben einen wesentlichen Anteil an der hohen Lebensqualität vor Ort. Diese besondere Qualität ist für die Hamburgerinnen und Hamburger bisher allerdings kaum nutzbar: Das sommerliche Planschen, Baden und Schwimmen ist in Alster und Elbe fast nirgendwo möglich. So ist Hamburgs Wasserlage eine schöne Kulisse, die viel verspricht und bislang zu wenig einlöst.
Dabei gibt es viele Gründe, warum es in Zeiten immer heißerer Sommer und knapperer Geldbeutel ein echter Gewinn für die Menschen vor Ort wäre. Öffentliche Badestellen bedeuten Abkühlung und Erholung direkt vor der Haustür, ganz unabhängig von dem Einkommen oder Urlaubsbudget. Sie stehen für alle Menschen niedrigschwellig zur Verfügung, laden ein zu sommerlichem Badevergnügen, fördern dabei Wohlbefinden und Fitness und entlasten zugleich auch Freibäder und Schwimmbäder. Gerade in einer wachsenden Metropole wie Hamburg, in der viele Menschen ohne eigenen Garten oder Balkon leben, sind frei zugängliche Wasserorte ein niedrigschwelliges Angebot, das Spaß macht, soziale Teilhabe ermöglicht und Menschen miteinander in Kontakt bringt.
Früher gab es in Hamburg öffentliche Badestellen: Bis in die 1920er- und 1930er- Jahre existierten am Schwanenwik und an anderen Stellen der Außenalster öffentliche Badeanstalten. Bereits 1793 ließ die Patriotische Gesellschaft ein Badefloß auf der Binnenalster zu Wasser – eine der ersten Flussbadeanstalten Deutschlands. Seit dem Zweiten Weltkrieg jedoch werden Hamburgs Wasserflächen kaum noch für öffentliches Baden genutzt.
Es gab in den vergangenen Jahren zahlreiche Initiativen, dies zu ändern: 2007 wurde ein spektakuläres Alster-Schwimmbad am Schwanenwik als ein Badeschiff in der Außenalster geplant. 2019 wurde ein schwimmendes Freibad am Südufer der Elbe vorgestellt – auf Pontons gelagert, mit Ausblick auf die Hafenkulisse. 2020 wurde ein Modellprojekt für ein Flussbad im Billebecken in Hamm diskutiert. Jüngst legte das Architekturbüro „Störmer Murphy and Partners“ einen Entwurf für den Schwanenwik vor, der Tradition mit modernen ökologischen Standards verbindet und das Baden in den urbanen Alltag zurückbringen könnte. Das „Hamburger Abendblatt“ berichtete, die Resonanz der Hamburger Stadtgesellschaft war groß.
